Mach mal Pause!

Der Kaffee zwischendurch und ein spontaner Plausch unter Kollegen gehört in vielen deutschen Betrieben zum Alltag. Vending-Automaten, vor allem für Heißge­tränke, sind dabei beliebte Anlaufstationen und lassen beim Betreiber die Kasse klingeln.

Investitionen in Heißgetränke-Automa­ten sollte kein Küchen-Verantwortlicher über das Knie brechen, es ist einfach zu viel Geld im Spiel. Vor Investitionen in Ho­ReCa-Maschinen oder Vending-Automa­ten ist ein Blick auf wichtige Trends und Themen sinnvoll. KÜCHE hat mir Experten aus der Industrie gesprochen.
Klar ist, dass Vending-Heißgetränke-Au­tomaten das Verpflegungsangebot insbe­sondere in der GV sinnvoll ergänzen und aufwerten können. Mit ihrer Hilfe können auch außerhalb der geschäftlichen Stoßzei­ten und ohne personelle Einsätze in Men­sen und Kantinen Umsätze erzielt werden. Eine der grundlegenden Erkenntnisse: Die intuitive Bedienung per farbigem Touch­screen-Display ist bei den Heißgeträn­ke-Automaten bereits weit verbreitet. Das erfreut nicht zuletzt die Marketing-Verant­wortlichen. Denn auf diese Weise können Kaffee, Tee und Kakao optisch wesentlich ansprechender präsentiert werden. Gerä­tekonfigurationen nach Kundenwunsch per App oder 3-D-Visualisierung allerdings sind noch nicht so üblich wie intuitive Be­dienung und Touchscreen. Aber sie sind schwer im Kommen. Und sie fügen sich hervorragend in die Entwicklung hin zu einer zunehmenden Individualisierung im Heißgetränkeautomaten-Sektor ein.

Supertool Telemetrie
Die Konsequenz: Voraussichtlich können die Liebhaber von Heißgetränken schon in wenigen Jahren flächendeckend ihre Vorlieben per App an Automaten weiter melden. Diese bereiten dann das indivi­dualisierte Getränk zu, sprich: Sie brühen Kaffee, Tee, Kakao oder ähnliches. Und per App lässt sich künftig das nächst gelegene Lokal finden. Dort läuft der heiße Munter­macher genau so in die Tasse, wie sich das der Gast wünscht.

Der Einsatz von Web-Applikationen für die Programmierung, Kontrolle und Feh­lersuche entwickelt sich ebenfalls nach und nach zum Standard. Das Optimieren von Fernbedienung und Fernauslese der digital gesteuerten Vollautomaten wird den betrieblichen Alltag in absehbarer Zeit noch mehr erleichtern. Mit Hilfe der Tele­metrie (oder auch Telematik) wissen die Gerätehersteller beziehungsweise ihre Ser­vicestellen häufig schon vor den Kunden, dass die Maschine einen Fehler aufweist; sie können rechtzeitig reagieren, bevor die Technik teilweise oder komplett ausfällt. Außerdem werden bei integrierten teleme­trischen Anbindungen per Funk am Auto­maten Produkteinstellungen und Dosier­veränderungen vorgenommen. Steigender Kaffeeverbrauch signalisiert beispielswei­se, dass der Serviceintervall erhöht werden muss.

Trotz aller Fortschritte bei der Telemetrie sehen die Branchen-Experten vom Bun­desverband der deutschen Vending-Auto­matenwirtschaft (BDV) in der Praxis noch durchaus Nachholbedarf. Und der steht von ihrer Warte aus in einem gewissen Gegensatz zur ausgeprägten Entwickler­freude der Industrie. Aller Vorteile, die die Geräte aufweisen, zum Trotz ist eine flächendeckende Verbreitung der Geräte noch in weiter Ferne. Bei den bargeldlo­sen Zahlsystemen bestehe gleicherma­ßen noch einige Luft nach oben. Einer der Aspekte, an denen getüftelt wird, sind Touch-Payment-Szenarien via Biometrie: Gemeint ist die Identifizierung und Au­thentifizierung von Personen anhand ihrer Gesichter, Fingerabdrücke oder ähnlicher Charakteristika. In der gastgewerblichen Praxis verändert sich das Bezahlverhal­ten an Automaten jedoch nur zögerlich. Während in vielen Ländern der Welt die bargeldlose Zahlung großen und schnelle Schrittes vorangeht, zahlen die Deutschen immer noch am häufigsten bar. Experten erklären sich das im Wesentlichen mit Si­cherheitsbedenken bei den Kunden. Dabei liegen die Vorteile des bargeldlosen Bezah­lens auch für den Automatenbetreiber auf der Hand. Unter anderem kann der sich über ein Plus an Liquidität freuen, weil der Kunde in Vorleistung tritt. Kürzere Warte­zeiten und höhere Kundendurchläufe sind weitere Pro-Argumente – ebenso wie ein geringerer Verwaltungsaufwand und ein besserer Schutz vor Diebstählen und Van­dalismus. Wird am Automaten bargeld­los bezahlt, sind zurzeit die Girocard und verschiedene Kreditkarten die häufigsten Varianten. Dabei hat die Girocard, die De­bitkarte der Deutschen Kreditwirtschaft (ehemals EC-Karte) mit mehr als 100 Mil­lionen ausgegebenen Exemplaren die Nase vorn, und das mit großem Abstand. Auch Paypal prescht zurzeit voran. Und die Mög­lichkeiten des Smartphones beispielsweise sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.

Anspruchsvolles Geschäft
Für die Marktteilnehmer zeigt sich deut­lich: Die jüngeren Menschen sind in punk­to bargeldlosem Bezahlen wesentlich aufgeschlossener. Das wurde erst im ver­gangenen Jahr wieder bestätigt, als das Al­lensbach-Institut unter 16- bis 29-Jährigen eine Umfrage durchführte. Demnach sind 61 Prozent der Befragten sehr offen für eine Bezahlung auf Basis der kontaktlosen NFC-Technologie via Karte oder per Smart­phone. Und diese Befragten – sie sind die Zukunft. Grundsätzlich lässt sich konsta­tieren: Das Geschäft mit den Automaten, und und insbesondere mit den Heißge­tränkeautomaten, verlangt viel Aufmerk­samkeit – in einem Umfang, der nach Auffassung von BDV-Geschäftsführer Dr. Aris Kaschefi nicht unterschätzt werden sollte.„Wer Automaten Tag und Nacht be­triebsbereit halten will“, sagt er, „der muss über ausgereifte Ge­räte, geschulte Techniker, ein gut sortiertes Ersatzteillager und über einen ausgeklügelten Organisationsplan verfügen.“ Und wer aus Automaten sichere und wohlschmeckende Produkte verkaufen wolle, brauche Kenntnisse von der Wirkungsweise der Technik und den lebensmittelrechtlichen Anforderungen. Ferner sollte er sich auf gut ausgebildete und ständig weiter geschulte Automatenbetreuer verlassen können: „Die müssen nicht nur alle Handgriffe beim Füllen und Reinigen der Auto­maten kennen, sondern darüber hinaus als personifizierte Visi­tenkarte des Operators einen angemessenen Umgang mit dem Kunden pflegen.“

Details entscheiden über den Erfolg
Und natürlich müssen alle, die mit Vending-Automaten „Kasse machen“ möchten, über die aktuellen Diskussionen der Branche auf dem Laufenden sein und bleiben. Eines der beherrschenden Themen ist der Office Coffee Service (OSC). Hintergrund: Veränderte Arbeitswelten erzwingen neue Versorgungskonzepte. In modernen Arbeitswelten setzen sich Coffee-Corner-Bereiche als wichtige Elemente zum Aus­tausch, Brainstorming oder einfach nur für die kleine Pause durch. Diverse Anbieter haben OCS-Lösungen entwickelt. Als Key Player benennt der BDV in erster Linie Coffee at work, Cof­feema, Coffenco, Idee OCS, Kaffee Partner, Seeberger, Tchibo und WMF.
Beim Automaten-Geschäft sind die Details entscheidend, weiß auch Uwe Thomas. Der Geschäftsführer der Uwe Thomas Ven­ding Consulting war vor seiner Selbstständigkeit in mehreren Unternehmen in leitenden Funktionen tätig. Heute ist Thomas einer der führenden Vending-Experten mit langer, vorzeigbarer Kundenliste. Er rät den Küchen-Verantwortlichen unter ande­rem, sie sollten im Sinne einer passenden Kostenstruktur mög­lichst präzise evaluieren, welche Geräte und Warengruppen an den Standorten tatsächlich erforderlich seien. Eine Vertragsge­staltung muss seines Erachtens flexibel ausfallen, damit Ände­rungen zum Beispiel mit Bonus-Malus-Regelungen sowohl nach oben als auch nach unten leicht ermöglicht würden. Und nach der Installation der Dienstleistung ist nach der Überzeugung von Uwe Thomas das Motto „innovativ bleiben“ das Gebot der Stun­de: Immer wieder müssten neue Produkte und Dienstleistungen ausprobiert werden.
Übrigens: Kaffee und Büro sind ein gar nicht so untrennbares Duo, wie das oft vermutet wird. Eine repräsentative Studie des Kaf­feevollautomaten-Herstellers Kaffee Partner ergab: Fast 36 Prozent der Befragten müssen sich selber um Kaffee kümmern beziehungs­weise diesen außerhalb der Firma besorgen. Lediglich 28 Prozent erhalten fertig gebrühten Kaffee kostenlos am Arbeitsplatz; weite­re 19 Prozent können Kaffee nur gegen Geld bekommen.